eat’n’STYLE – ein Rückblick

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Vergangenes Wochenende tagte in Hamburg die eat’n’STYLE – eine Messe rund um Essen und Tafelkultur. Ich habe mir die Messe in Ruhe angeschaut, und war auch auf einem der dort angebotenen Seminare (dazu demnächst mehr im eigenen Artikel).

Ich bin eigentlich nicht der Typ der sich auf Lifestyle-Messen wohlfühlt, und auch Tischdekorationen im Wert eines Monatsgehaltes oder mehr und/oder mit dem ästhetischen Wert eines Kindergeburtstages reissen mich nicht unbedingt vom Hocker.

Aber zu meiner Freude gab es jenseits von Dr. Oetker-Verkosterli und Kochshow mit Stars auf dieser relativ kleinen Messe (genau 1 Halle unter dem Fernsehturm) eine Menge für einen Foodie zu entdecken.

Zum einen fällt auf, dass sehr viele kleine Stände mit kleinen Produzenten auf der Messe vertreten waren – einen guten Überblick bietet das Ausstellerverzeichnis. Natürlich gab es grosse Stände zum Beispiel von Philips, oder Miele, oder HaWeSKo, die als Hauptsponsoren selbstredend ebenso gross vertreten waren wie der Gruner + Jahr Verlag, der sogar eine eigene Kochtheater-Bühne – Eintritt frei – in die Mitte der Halle gestellt hatte und dort kleine Vorführungen machte.


Überhaupt gab es jenseits der Kochshows der bekannten Fernsehköche sehr viele kleine Vorführungen und Verkostungen und auch so manches Seminar, bei dem ich im Rückblick dachte, Mensch da hätte ich mich auch gern angemeldet – und versuchen werde 2009 das eine oder andere mitzunehmen.

Zum anderen waren – neben vielen kleinen Weingütern und einem interessanten Verbund von Delikatessenherstellern aus Italien – viele regionale Anbieter an Bord, und das hat mir sehr gut gefallen – lokale Metzger und Bäcker, ein mir bislang unbekannter Kaffeeröster aus Hamburg, und auch (kleinere) Hamburger Weinhändler.

Dazwischen tummelten sich dann Dr. Oetker und Natreen, Stände mit Thermomix oder Le Creuset, Microplane oder KitchenAid-Produkten. also alles was man auf eine „gehobenen“ Lifestyle-Messe so an Produkten erwarten kann. Und dennoch waren die grossen Namen der Lebensmittelindustrie zum Glück schwer in der Unterzahl, statt dessen sorgten viele kleine, wie Marktstände aufgemachte Ausstellerflächen mit ihren Betreibern für kulinarische Vielfalt. Mir hatten es ganz besonders ein Stand mit Spezialitäten aus der Wachau (Marillenkonfitüre zum Niederknien!) sowie einige kleine Schokoladenhersteller angetan; es gab Stände mit italienischen Salamis, mit alkoholfreiem Cidre, oder Blütenkonfitüren, exotische Gewürzmischungen, einen grossen Demeter-Stand mit verschiedenen Anbietern, Bio-Kalbscurrywurst und Fritz-Kola, aber auch einen großen Promo-Stand von Asti DOCG, der kostenlos Asti Spumante und zwei Cocktails (mit Johannisbeersaft respektive mit Aperol) ausgab.

Sehr spannend fand ich Currypasten in 1a-Qualität aus Rostock unter dem schönen Namen LePomm – die verkostete Thai Rote Currypaste (mit einwandfreier Zutatenliste ohne Aromen, Geschmacksverstärker oder ähnlichen Murks, einzig ungewöhnliche Ingredienz war Tomatenmark, wohl für die Farbe) schmeckte ausgezeichnet und würde auch so manche Restaurantküche zieren.

Als sehr angenehm habe ich empfunden, dass – bis auf die Sparschälerstrukturvertriebstruppe, der Kollege Boschblog begegnet ist – so gut wie niemand versuchte, penetrant seine Waren an die Frau oder den Mann zu bringen. Am Freitag war noch vergleichsweise wenig auf der Messe los, Samstag füllte es sich dann zusehends, aber die Stimmung schien mir generell sehr entspannt, sehr hanseatisch, und auf Genuss und Verkosten, nicht auf gnadenloses Abverkaufen angelegt.

So habe ich auch die Gelegenheit genutzt, mich durch die Senfsorten der Senfmühle Monschau zu kosten, von der ich schon häufig gehört habe – meine Senfvorräte reichen noch eine Weile, aber nun weiss ich was ich dort bestellen und was ich auslassen kann – ganz fantastisch fand ich den Limonensenf.

Freitag waren in der „Kocharena“ Shows mit den Hamburger Recken, Steffen Henssler, Tim Mälzer und Rainer Sass angesagt. Da mich das nicht so irrsinnig interessierte, habe ich mich nach meinem Seminarbesuch lieber umgesehen, und dabei nicht nur (eine schöne Überraschung) einen alten Bekannten wiedergetroffen, den ich zuletzt vor 11 Jahren gesehen habe, sondern auch eine Winzerin und ihre Weine für mich entdeckt. Es gab ja reichlich Weine zu verkosten, insofern weiss ich nicht warum ich ausgerechnet beim Stand des Weingutes Werner Krück stehen geblieben bin, denn ich wollte mich bewusst auf nur einen Winzer am Tag konzentrieren, aber irgendetwas sprach mich an – vielleicht die klare, unaufgeregte, nicht überladene Gestaltung des winzigen Marktstandes – oder auch das freundliche Lächeln von Carmen Krück, die ihre von ihr selbst gemachten Weine mit Freude und Sachverstand anbot.

Da ich beim Seminar schon guten österreichischen Riesling genossen hatte, habe ich ihren (wunderbaren) Weissburgunder Spätlese trocken probiert und mir davon ein Flasche migenommen, sowie eine Flasche Grauen Burgunder.

Und es kam wie es kommen musste – am Tag drauf stand ich, dieses Mal mitsamt dem Liebsten, wieder bei Carmen Krück, die sich freute mich ein zweites Mal zu sehen. Wir verkosteten uns durch ihr Sortiment – sie hatte insgesamt 7 Weine dabei – kauften zwei, und werden sicher bei ihr mehr Wein bestellen – schon für die Entdeckung dieses kleinen Pfälzer Weinguts hat sich der Trip auf die Messe gelohnt!

Eigentlich wollten wir am Samstag Karten für die Alexander-Herrmann-Vorführung kaufen und danach versuchen, in die von Bergader gesponserte Show von Alfons Schuhbeck zu kommen. Doch als wir die Halle betraten, wurden wir von zwei Promoterinnen angesprochen.

„Möchtet Ihr die Sarah Wiener Kochvorführung sehen?“

„Nö, eigentlich nicht.“

„Ist umsonst, sind Sponsorenkarten, geht aber sofort los.“

An diesem Punkt griffen wir spontan zu und tapsten in das eng bestuhlte, abgehängte Areal, in dem vielleicht 300? 500? Stühle standen und eine Koch-Bühne mit grosser Videoprojektion errichtet war – und Sarah Wiener auf sich warten liess.

Stattdessen tauchte ein Conferencier auf, der erst einmal für gute Laune und die richtige Applauslautstärke sorgen sollte. Frau Wiener, so erfuhren wir, sei erkrankt (ein Punkt den der Liebste, der sie am Tag zuvor an anderer Stelle getroffen hatte, bestätigen konnte) – aber La Wiener kam dennoch gut gelaunt zur Show und liess ihre Gäste nicht hängen, und zum Glück spielte auch die Stimme mit. Zur Einstimmung allerdings gab es erst einmal (witzige) Cutouts aus ihrer Arte-Sendereihe zu sehen, und im Laufe der Show erklärte sie, dass ab Dezember eine neue Staffel der Reihe, dieses Mal aus Italien, gesendet werde – und sie bereits am Montag wieder nach Italien fliege.

Dazwischen lag viel recht charmantes (sagte ich schon dass ich Frau Wiener eigentlich nicht wirklich mag? Sie hat Punkte gemacht an diesem Morgen) Geplauder, angereichert mit etwas Warenkunde und Erziehung der Zuschauer zum richtigen Einkauf ™ – nicht ganz mein Foodie-Niveau, aber nett vorgetragen, ein Kürbisauflauf den ich eher als Pudding bezeichnen würde, ein etwas unwilliger Gastkoch (ein 12jähriger mir gebrochener Kniescheibe, der sehr zum Entzücken seiner Mutter mit anfassen und Kürbis schneiden musste) und ein interessantes Einsprengsel über echten ™ Mozzarella, bei dem ich Frau Wiener gern auf die lokale Büffel-Mozzarella-Produktion in Norddeutschland hingewiesen hätte. Ich hoffe irgendjemand holt das nach.

Die arg laute Show, die man zum Teil auf der Leinwand (wir sassen in der 3. Reihe) besser sehen konnte als direkt, litt leider auch ein bisschen darunter dass die Bestuhlung von der Bequemlichkeit her einen alten Hörsaal der Uni Hamburg locker unterbot. So machten wir uns kurz vor Ende davon, ehe der ganze Pulk Zuschauer zu den Ausgängen strömte, und hatten wenig Lust unserem Rückgrat diese Tortur nochmal anzutun, weswegen wir weitere Shows dann auch ausliessen.

Stattdessen spinksten wir bei AEG auf ein uns interessierendes Induktionskochfeld (mit Schönheitsfehlern), schauten bei Microplane zu, gingen Schokolade verkosten und allerlei andere Schmankerln, und bummelten gemütlich durch die Gänge, ehe wir noch ein paar Einkäufe, darunter ein Geschenk für einen Geburtstag, tätigten und dann langsam zum Ausgang tappten.

Ich war skeptisch, was die eat’n’STYLE angeht – besonders der Punkt dass man Eintritt bezahlt UND dann noch für die Kochshows extra, scheint nicht nur mir sauer aufgestossen zu sein, nicht alle Shows waren offenbar so besucht wie man sich das dachte, so wie z.B. Freitag nachmittag noch Karten für die 2. Mälzer-Show angepriesen wurden.

In Anbetracht der vielen Vorführungen – so z.B. auch eine Kooperation zwischen einem Olivenölproduzenten und einem Gewürzanbieter, die gemeinsame Tastings organisierten, oder das Showkochen bei den anwesenden Herdherstellern sowie bei G+J – ist man allerdings auf diese Zusatztickets gar nicht angewiesen, um prächtig unterhalten zu werden (und im Gegensatz zur Show mit den TV-Stars sogar was zu essen zu bekommen).

Am Lohnendsten allerdings fand ich die Möglichkeit, viele kleine und mir neue Produzenten aus der Region wie aus Deutschland und Europa kennenzulernen und ihre Produktauswahl zu kosten – und dafür werde ich auch 2009 gern wieder auf die eat’n’STYLE gehen, wenn es eine Wiederholung gibt und sie in meinen Terminplan passt.

Das Beispiel Hamburg zeigt, mit etwas Glück kann man dann sogar umsonst einen der Stars (beinahe) hautnah sehen wenn einem das wichtig ist.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

8 Antworten

  1. Petra sagt:

    Danke für’s Mitnehmen auf den abwechslungsreichen Rundgang, da scheint ja doch für jeden etwas dabei gewesen zu sein.

  2. dilemma sagt:

    hört sich ja spannend an…
    da wär ich auch gern gewesen und bin ein bisschen (=sehr) neidisch 🙂

    warte gespannt auf den bericht über die seminare…

  3. Da ich ja dieses Jahr noch vorhabe die eine oder andere Food-Messe zu besuchen und natürlich hier auf meinem Blog zu berichtet, habe ich mich gefreut vom FoodFreak einen ausführlichen Bericht über die Eat´n Style 2008 in Hamburg zu lesen. …

  4. Chefkoch sagt:

    Yeah, da freue ich mich noch viel mehr auf die kommenden Messen die ich besuchen will ;D Auch wenn es nicht die Eat´n Style sein wird sondern die kulinart

  5. Stefan sagt:

    Wieso besucht man bitte freiwillig die Wiener ? ^^

  6. Jutta sagt:

    Oh, ich fahre nach München und hatte bisher gemischte Gefühle. Nach diesem ausführlichen Bericht nicht mehr, vielen Dank!

  7. Daniele sagt:

    In ähnlichen Zügen habe ich die Messe in Hamburg auch erleben dürfen! Mir haben es die feinen Leckereien echt angetan!
    Besonders jedoch bleibt mir der neue _Kaffeevollautomat_ von alfi in Erinnerung. *Alfino* hieß er! Abgesehen vom faszinierenden Design hat Der Kaffee vorzüglich geschmeckt und die Neuheit ist nun, dass es eine caffino gibt, die als Kanne dient und man bis zu 8 Tassen Kaffee auf einmal kochen kann! Der Wahnsinn! In Köln werde ich sie nochmal bestaunen dürfen 😉
    Kennst sonst jemand die alfino? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

  1. 26. Dezember 2009

    […] ich hier ja schon schrieb, habe ich an einem der bei der eat’n'STYLE in Hamburg angebotenen Seminare teilgenommen. Zu […]

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