7. Lübecker Restaurantspaziergang

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Nachdem uns im vergangenen Jahr der 6. Lübecker Restaurantspaziergang, veranstaltet vom Slowfood-Convivium Lübeck, schon so gut gefallen hatte, haben wir (d.h. nasebaer, Knutsen und ich) uns auch dieses Jahr wieder zu diesem Event eingefunden – tatsächlich stand der 15. August seit Monaten fest auf dem Terminkalender, und so nicht alle Stricke reissen, werden wir auch 2009 wieder dabei sein.

Das Thema dieses Jahr lautete Fisch, und vielleicht hat es auch damit zu tun, dass runde 35 Personen sich zu diesem gastronomischen Schmankerl eingefunden hatten – nicht wenige aus Hamburg – aber zu meiner Freude war auch Georg Schenk von der Augustus-Rex-Brennerei in Dresden dabei und bot vorab an, Ware mitzubringen, eine Chance zum Direkteinkauf die wir gleich nutzten.

Startpunkt war traditionell das Sherry & Port in der Fleischhauerstrasse, wo wir uns zum Aperitif (Sherry nach Wahl) und zur Gruppeneinteilung versammelten.

Die kleine Tapas-Bar sieht von aussen eher unscheinbar aus, hat aber ein unschlagbares Ambiente, und die Tapas auf dem Tresen entführen einen sogleich auf die iberische Halbinsel.

Leider, muss man fast sagen, blieb dafür keine Gelegenheit (Gerrit, wenn du das liest: vielleicht sollte man die Vorspeise mal hier mitnehmen 🙂 ), denn ein enges Programm stand an. In 6 Gruppen je 6 Personen waren wir unterwegs durch die hübsche Lübecker Altstadt, um an verschiedenen Orten in Gruppen Vorspeise, Hauptgang, und Nachspeise einzunehmen.

Wie schon im vergangenen Jahr hatten wir als ersten Stopp Das Kleine Restaurant an der Untertrave, eine absolut malerische Location in einem Treppengiebelhaus aus dem 16. Jahrhundert. Hier war ich früher bei altem Inhaber oft essen, der ein fair kalkuliertes 10-Gang-Menu anbot, und seit geraumer Zeit kann man im Kleinen Restaurant (auf Vorbestellung) auch wieder das 10-Gang-Überraschungsmenü geniessen. Man sitzt wunderschön hier, und die unprätentiöse aber feine gutbürgerliche Küche des Hauses passt perfekt zu der Umgebung.

Die Vorspeise entpuppte sich als drei (leckere) Kleinigkeiten vom Fisch:

Auf einem Rösti, das ich eher als Kartoffelpuffer bezeichnen würde (sehr lecker!) thronte Räucherlachs guter Qualität, und dazu gabs einen rosa getönten Sahnemeerrettichklecks; Sherry-Matjes mit Äpfelchen und Zwiebel schmiegte sich verführerisch an einen Pumpernickeltaler, und Nummer drei im Bunde war eine Räucherforellenmousse auf etwas, das ich als Mittelding aus Cracker und Toast bezeichnen würde. Das höchst dekorative Salatblatt in der Mitte fiel schuhbeck’sch unter „des Grünzeugs hättst weglassn kenna“, aber summa summarum war das ein sehr gelungener Auftakt, der auch angenehm ohne modisches Chi-Chi auskam.

Wir nahmen uns die Zeit, durch ein paar der hübschen kleinen Gänge zu schlendern, die in Lübeck oft versteckt die grossen Strassen verbinden, und deren Tordurchgänge nicht selten für Menschen moderner Zeiten etwas zu niedrig sind. Station zwei führte uns dann ins Terraneo, ein relativ neues Restaurant in Lübeck, das in den verwinkelten aber sehr eleganten Räumen eines alten Bürgerhauses in der Julius-Leber-Strasse eine Heimat gefunden hat.

Schon das Eintreten war ein Erlebnis – alte Dielenböden, grosse (kleine) Räume, die verrieten dass hier Zimmer aus einem Wohnhaus als Gasträume dienten, eine winzige Küche im Durchgang, Kronleuchter und hohe Decken, ein wunderschöner Garten in dem man bei gutem Wetter speisen kann, und schliesslich für unsere Gruppe ein schlichtes, schönes, ruhiges chambre separée.

An dieser Stelle haben schon einige Gastronomen die Geduld ihrer Kunden verschlissen, doch im Terraneo, so versicherte uns Restaurantleiter Pierre Benat höchstpersönlich, sei das Credo gute Qualität und ein perfekter Service bei legerer Atmosphäre, und das konnte er an diesem Abend auch eindrucksvoll demonstrieren.

Der Steinbutt auf Spitzkohl mit gelbem Tomatenschaum, Pfifferlingen und Püree war sehr lecker, die Portion für ein Menu mehr als grosszügig dimensioniert, wenn auch die Konsistenz (so Gerrit Rinck) darauf schliessen liess dass der Fisch zuvor tiefgekühlt war.

Auch hier war das Gemüse eher Deko aus dem Bereich nice-to-have. Das Essen war fein abgeschmeckt und sehr stimmig, allerdings störte etwas zu grober Pfeffer und der sehr intensiv gewürzte Spitzkohl den exzellenten Gesamteindruck ein wenig.

Der vorgeschlagene Wein, ein Grauer Burgunder von Gysler, mundete ausgezeichnet und traf den Geschmack von immerhin 10 von 11 anwesenden Restaurantspaziergängern. Der Service war blitzschnell, engagiert und gut gelaunt und machte Lust, wiederzukommen.

Anscheinend geht kein Restaurantspaziergang ohne einen kräftigen Regenguss ab – nachdem das Wetter sich wacker geschlagen hatte, mussten wir auf der Etappe zum Dessert im VAI (wie schon im letzten Jahr dabei) dann doch Schirme und Mützen herausholen, und der Regen intensivierte sich auf dem Weg dorthin noch – nicht schön. Wunderschön fanden wir dafür wie schon letztes Jahr die moderne aber warme Einrichtung des VAI, und wie im letzten Jahr bestach man hier durch ungemein motivierten, engagierten, fast vergnügt anmutenden Service – gepaart mit sehr leckerem Essen, genauer

Hefeweizeneis und Eisenkraut-Panna Cotta.

Zu beiden gesellte sich noch eine Art Frühlingsröllchen mit einer (Ziegen?-) Frischkäsefülle, ein buntes Beerenkompott (das zu Eis und Panna Cotta wunderbar passte), etwas Nektarine und eine Deko-Physalis. Und nun bin ich nach dem Verbenen-Eukalyptus-Trauma auch wieder mit der Verbena officinalis versöhnt. Eine traumhafte Kombination!

Während ich wie auch letztes Jahr das Gefühl hatte, dass ein klein wenig weniger Abwechslung auf dem Teller im VAI mehr wäre, scheint der opulent mit Texturen und Aromen spielende Stil ein Markenzeichen des sehr gut gefüllten Restaurants zu sein.

Die Eiscreme schmeckte nicht nach Hefe oder Bier, sondern karamellig mit leichtem Knupergefühl, ich kann nur vermuten dass hier das Hefeweizen sehr stark zu Karamell reduziert wurde. Die Frühlingsrolle war interessant aber ein verzichtbares Gimmick.

Leider, muss ich sagen, war ich nach dem Fisch im Terraneo viel zu satt um das Dessert voll auszukosten, aber der Liebste hatte keine Probleme mit einer etwas grösseren Dessertportion.

Auf den Espresso verzichteten wir, da wir in der Ohana Lounge den Absacker mit allen Gruppen zusammen nehmen wollten – ein Fehler, wie sich herausstellte. Nach dem heftigen Regen war die Aussenfläche der sehr disco-/clubmässigen Location (mit viel zu lauter Musik) nicht nutzbar und innen war es ebenso voll wie akustisch dem entspannten Gespräch unzuträglich.

So verabschiedeten wir uns dieses Mal frühzeitig von Gerrit Rinck, dem ich nicht nur für die Organisation dieses wunderbaren Abends danken möchte, sondern auch für viele tolle Tipps rund um Essen und Gastronomie in Norddeutschland, die er uns während des Rundganges vermittelt hat – Lust gemacht hat er uns auch auf den kulinarischen Slow-Food-Markt in Dänemark jedes Jahr Ende Juli.

Gemeinsam mit Knutsen spazierten wir dann noch zurück zu unserem Auto, das wir ausserhalb der Innenstadt kostenfrei geparkt hatten, liessen den Abend noch einmal entspannt Revue passieren, und nahmen uns fest vor, dass wir auch nächstes Jahr dabei sind, wenn Slowfood Lübeck zum Restaurantspaziergang ruft.

Danke, das war super.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

2 Antworten

  1. Eva sagt:

    Danke für diesen tollen Bericht! Du hast mich damit auf etwas aufmerksam gemacht, was ich noch gar nicht kannte – toll!

  2. Gerrit sagt:

    Hallo,

    ganz herzlichen Dank für die tollen und kundig geschriebenen Berichte, das motiviert, die Arbeit der Organisation auch im nächsten Jahr zu machen. Das Datum für den 8. Restaurantspaziergang steht schon fest, es wird der *07. August 2009* ab 18.00 Uhr sein.

    Der erwähnte Markt in Dänemark findet übrigens am letzten kompletten Wochenende im *JUNI* in Svendborg auf der Insel Fünen statt (www.kulinarisksydfyn.dk). Das Slow Food Convivium Lübeck plant dabei eine kleine einwöchige Tour vom 20.-28. Juni, ist ist eine Rundreise angedacht, die über einen weiteren Markt in Maribo und kulinarischen Exkursionen auf den Inseln Lolland, Falster und Mön für eine Woche ( Aufenthalt in Ferienwohnungen) und Abschluss in Svendborg. Wer darin Interesse hat, kann sich unverbindlich auf einen Email-Verteiler setzen lassen – slowfood-luebeck@web.de.

    Die Anregung „Tapas“ wird gern aufgegriffen, ich denke da z.B. an einen „Schneckentisch“ am 14.Januar 2009.

    Wer sich gern laufend über die Veranstaltungen der Convivien = Tafelrunden von Hamburg, Kiel Lübeck und Lüneburg informieren möchte, kann sich bei information@slowfood-hamburg.de anmelden oder schaut auf der Seite http://www.slowfood.de unter den jeweiligen Convivien nach.

    Gruss aus Lübeck

    Gerrit Rinck

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