Braten Backen Bloggen Kochen – Butaris-Event mit Bernd Arold

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Knapp 1 1/2 Wochen ist es nun her, dass ich – gemeinsam mit anderen Foodbloggern und (Online-) Food-Journalisten – an einem von Butaris gesponserten Event mit dem Titel Braten, Backen, Bloggen und Frittieren teilgenommen habe. Zeit für einen Rückblick (hier, hier und hier kann man ebenfalls Berichte lesen).

Zunächst mal war ich überrascht, dass sich ein grosses Unternehmen auf dem Weg über eine Marketingagentur daran traut, sich einem so fremden Objekt wie dem Blogger zu nähern. Und nachdem ich sah, dass für den Event ein interessanter Koch, nämlich Bernd Arold, geladen war, und das ganze in den Schulungsräumlichkeiten des NIL stattfinden sollte, wo ich vergangenes Jahr bereits den wunderbaren Wollschwein-Kochkurs von Slowfood erleben durfte, brauchte ich nicht lange überlegen und meldete mich und den Besten AllerMänner an.

Ein paar Tage später kam auf Vermittlung von Chili & Ciabatta die zaghafte Anfrage von Deichrunner per Mail, sie hätte da so eine Einladung bekommen und wisse nicht so recht… 🙂

So kam es also, dass an einem furchtbar verregneten Donnerstag der Herr nasebaer und ich auf Deichrunner, Chaosqueen, Die Küchengeister und Küchenlatein stiessen, und uns erst mal sehr freuten, uns endlich auch im RL kennenzulernen.

Bernd Arold, der gar nicht so punkig daherkommt wie er nach aussen hin wirkt, war am Anfang noch sehr schüchtern, und war auch ein wenig verdutzt dass wir uns kannten (aber eben auch nicht)- Überhaupt hatte für Bernd dieser Abend noch die eine oder andere Überraschung parat…

Als schliesslich alle da waren, und wir alle bereits ein Glas Wein respektive Wasser in Händen hielten, eröffnete der Vertreter von Butaris den Abend mit einer knappen Vorstellung und dem Versprechen, zu einem späteren Zeitpunkt noch etwas über sein Produkt und die Produktionsstätten in Deutschland zu erzählen und für Fragen zur Verfügung zu stehen. Nur kam es irgendwie in der vergnügten Runde nie dazu, was ich tatsächlich ein klein wenig schade finde, denn ich hätte ihn doch gern ein paar Dinge gefragt etwa, warum in Deutschland Butterschmalz nur mit Stickstoff aufgeschäumt in den Handel kommt, wieso es keine vernünftigen Packungsgrössen für Endkunden gibt, oder wie sich die Preise am Buttermarkt für sie auswirken… die uns überlassenen Pressetexte waren in dieser Hinsicht nicht unbedingt erhellend.

Im Mittelpunkt stand allerdings die Küche von Bernd Arold, der uns vorführte, wie man mit Butterschmalz Butaris toll kochen backen und fritieren kann.

Nun benutze ich ohnehin gern Butterschmalz, wenn auch die indische Variante namens Ghee, bei mir rannte zumindet dieser Part des Abends offene Türen ein, und manchmal war es schon lustig Bernd zuzuhören wie er sich bemühte den Produktnamen an den Endkunden zu bringen.

Seinen Kochstil beschreibt er übrigens als „wilde Kombinationen mit Fisch, Fleisch, Frucht, dominanten Gewürzen und einer Prise willkürlichen Wahnsinns“ – und so sah dann auch das Menu aus 🙂

  • Kaffeethuna auf Rosen-Vitello mit rumgebackener Sesam-Feige
  • Jakobsmuscheln im Rindermantel auf Artischocken-Physalis und Bockshornklee-Ziegen-Dinkletten
  • Halbflüssiger Schokokuchen mit Karotten-Vanille-Kirschen

Bevor es an die von Bernd weitgehend vorbereitete Vorspeise ging, wollte noch das Dessert zubereitet werden.


Bereits hier konnten wir einen ersten Blick auf die Kreativität unseres Gastkochs werfen – Kirschkompott mit Möhrensaft voll Verbene und Gewürzen? Schokomousse mit Verbene und Eukalyptus? Skeptisch beäugten wir das dunkelbraune Gold, als es in die Backformen floss, um wenig später kalt gestellt zu werden.

Dann allerdings folgt ein wahres Highlight. Vitello mit einem Rosenblütendressing, das sehr interesssant roch, und zum Glück nur halb so blümerant schmeckte, traumhafter Thunfisch in einer Kaffeegewürzmarinade, nur eben von aussen angebraten und innen roh, wie sich das gehört, dazu eine mit Rum und Gewürzen marinierte Feige im Sesamausbackteig – absolut köstlich.

Erfreulicherweise war die Beschaffung von Edelstahlbesteck für mich diesmal kein Problem. Dass die Feigen auf Zitronengrasspiesse gesteckt waren, schmeckte man allerdings nicht mehr und darf als rein optisches (teures) Gimmick verbucht werden. Selbst Herr nasebaer, sonst eher ein Feigenverächter, war hingerissen.

Während Bernd den Thunfisch kurz briet, erwähnte er, dass man den nur ganz kurz von aussen gare und am besten roh esse, „–aber das wisst Ihr ja alle längst, Euch kann ich gar nix Neues mehr erzählen.“ Dafür konnte er von den anwesenden Foodbloggern und Fachjournalisten lernen, dass Fleisch keine Poren hat, oder warum es keinen 100%ig reinen Mango- und Maracujasaft gibt, und bei der einen oder anderen Diskussion musste er dann selbst lachen, was irgendwann in einem scherzhaften: „Nie wieder mach ich was mit Foodbloggern.“ gipfelte. Jaja, wir sind schon ein besserwisserischer Haufen :-).

So lecker beköstigt, kostete es etwas Willenskraft, von der Tafel wieder aufzustehen und sich an die Zubereitung des Hauptgerichtes zu machen. Zunächst zerlegte Bernd fachgerecht Rinderrücken, ehe rohe Jakobsmuscheln in der Mitte der Fleischscheiben gemütlich eingekuschelt und dann festgebunden wurden, um solchermaßen vor der Hitze geschützt sanft zu garen:

Die brotbackenden Teigspezialistinnen aus Schleswig-Holstein nahmen sich der händischen Nudelbereitung ohne Küchenmaschine an, wobei der Teig aus Vollkorndinkelmehl mit kräutergewürztem Butterschmalz angereichert wurde.

Das veranlasste uns dazu, kollektiv festzustellen dass Vollkornnudeln zu den Dingen gehören die man definitiv im Leben auslassen kann…

Mit vereinten Kräften und gemeinsam mit Heimo Tscherne entstanden hier Ravioli und andere Nudelformen mit wirklich höchst schmackhafter Füllung aber doch sehr widerspenstigem Teig, während sich beim Artischocken-Physalis-Chutney wieder einmal der alte Satz bewahrheitete, dass viele (Nicht-)Köche den Brei verderben. Interessant war auch das Gefälle in Sachen Küchenfertigkeiten zwischen Foodbloggern und Foodjournalisten, von denen mit einer löblichen Ausnahme keiner wirklich kochen konnte.

Das fertige Gericht:

Wenn ich ganz ehrlich bin: ich hätte die Jakobsmuschel lieber solo (und noch lieber roh) gegessen. Der Pastateig hielt sich geschmacklich an das was er bereits bei der Zubereitung versprochen hatte, die Fülllung war allerdings super. Das Artischocken-Physalis-Chutney war eine höchst spannende Kombination, in welcher selbst mein Liebster Artischocken gemocht hätte, wenn nicht am Ende entschieden zu viel Pfeffer in dem Ganzen gelandet wäre.

Apropos Pfeffer… Bernd hatte drei verschiedene Sorten dabei (die auch verwendet wurden) – tasmanischen Pfeffer – eine Sorte die ich mir merken muss, da ich sie höchst lecker fand, Mohrenpfeffer (über welchen ein anwesender Koch lernte dass man ihn nicht anrösten darf) und rosa Pfeffer.

Wirklich spannend waren auch die Gespräche bei diesem Event – nicht nur mit Heimo Tscherne, der als Gastgeber eine Wucht war – sympathisch, fachkundig, und immer überall interessiert mit dabei – sondern auch und vor allem der Austausch zwischen Bloggern und Journalisten über allerlei webaffine Themen wie Datenschutz / Bild im WWW oder Userzahlen von Communities, aber auch zu existierenden, gerade gestorbenen und lang vermissten Food-Magazinen, bis hin zu Fragen von Kochbuchmarketing oder auch „wonach sucht Ihr Eure Kochbücher aus.“ Besonders witzig fand ich persönlich die Frage danach, wie man eigentlich Foodblogs im Web finden könne… wie findet man irgend etwas im Web?

Insofern war es kein grosses Drama, dass das Dessert – wir waren ohnehin alle längst gesättigt – nur sehr partiell ein Erfolg war. Und das lag nicht einmal an der dazu als geschmacklichem Kick offerierten Ahoi-Brause aus dem Tütchen, sondern eher an der ungleichmässigen Verteilung der Aromaten im Schokoteig. Torsten hatte einen (übrigens nicht flüssigen) Schokokuchen fast ohne Kräuter und fand ihn lecker, Küchenlatein und ich dagegen hatten die volle Dröhnung Eukalyptus und Verbene erwischt und fanden den Kuchen ungenießbar. Das Kirschkompott wiederum war unaufregend – ach, da waren Möhrensaft und Kräuter dran? Hätte man auch weglassen können.

Dass es bei keinem der Blogger ein Foto des Desserts gibt liegt aber wohl eher daran, dass wir alle viel zu angeregt in Unterhaltungen vertieft waren um zu fotografieren 🙂

Summa summarum: ein wunderschöner Abend mit sehr netten Leuten, einem tollen Gastgeber – danke für die Einladung! – abwechlungsreichem Essem auf einer Skala von „genial“ bis „geht so“, und als Bonus dem Erlebnis, einen vielversprechenden jungen Koch kennengelernt zu haben, der sich als schrecklich netter Kerl entpuppte, und dessen Karriere – ab 26. Juli mit eigenem Restaurant in München – ich aufmerkam weiter verfolgen werde.

Danke Butaris.

Alle meine Bilder von diesem Event kann man hier sehen: Album bei 23

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

7 Antworten

  1. Eva sagt:

    Es war schön euch im RL kennengelernt zu haben und dein toller, ausführlicher Bericht bringt diese schöne Erinnerung an den gemeinsamen Abend wieder zurück – Danke dafür!(Grüße auch an nasebaer 🙂 )

  2. Ulrike sagt:

    Ich kann Eva nur zustimmen, dieser Bericht bringt die schöne Erinnerung zurück. Mein Verbena-Trauma habe ich ja inzwischen überwunden, aber Eukalyptus ….

    Und soweit ich weiß werden Phytosterine mit dem Stickstoff untergeschäumt, um eine Rekonstitution von Butterschmalz zu Butter zu verhindern.

  3. Petra sagt:

    Echt schade, dass die Veranstaltung so weit entfernt stattgefunden hat. Der Spaß, den Ihr hattet, kommt bei deiner Beschreibung so richtig rüber – ich wäre gerne dabei gewesen.

  4. Maria sagt:

    Ach schade da wäre ich gerne dabeigewesen…
    Kontte leider nicht kommen da ich eine Besprechung hatte. Wird es jemals eine weitere solche veranstaltung geben?

    Freundliche Grüsse Maria

  1. 26. Dezember 2009

    […] vergangenen Jahr war ich Gast bei einem von Butaris ausgerichteten Kochevent, der mir sehr gut gefallen hat – und da ich ohnehin in meiner Küche gern Butterschmalz […]

  2. 18. Juli 2012

    […] und Panna Cotta wunderbar passte), etwas Nektarine und eine Deko-Physalis. Und nun bin ich nach dem Verbenen-Eukalyptus-Trauma auch wieder mit der Verbena officinalis versöhnt. Eine traumhafte […]

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