Hell’s Kitchen

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Gerade habe ich mir die ersten drei Folgen von Hell’s Kitchen angesehen. Die Serie, in den USA in der 4. Staffel, ist sowas wie die verschärfte US-Version der Küchenschlacht – Gordon Ramsay sucht den Superchef.

Ich muss gestehen ich mag Ramsays Kitchen Nightmares – wenn er sich in den Küchen und Personalstrukturen runtergewirtschafteter Restaurants umsieht, weiss man wieder warum in der Mehrzahl der gastronomischen Betriebe so unirdisch schlechtes Essen serviert wird (warum die Kunde es mögen ist eine Frage für sich). Auf der UK-Version basiert ja auch die Serie mit Christian Rach (der meiner Meinung nach besser am Herd im Tafelhaus geblieben wäre…)

Hell’s Kitchen allerdings ist eine reine Casting-Show bei der Leute gründlich getriezt werden, und entsprechend überzogen. Oder vielleicht doch nicht? Wenn ich mir die zu Beginn 15 Kandidaten anschaue, von denen ganze zwei (!) es schaffen, etwas in 45 Minuten zu kochen, das vor dem Gaumen des Sternekochs Gnade findet, frage ich mich, ob Ramsay allen Ernstes einem dieser Kochdarsteller am Ende der Staffel den Hauptpreis – den Posten als „executive chef“ in seinem Restaurant in Hollywood, angeblich mit 250.000 $ dotiert – vermachen will.

Keiner der Kombattanten hat den Stil, die Geisteshaltung und das nötige Können für so einen Job.

Gewürzt ist das Ganze mit „challenges“ die eine der beiden Gruppen – Frauen gegen Männer – gewinnen muss, um sich einen tollen Ausflug, etwa auf einer gecharterten Yacht, oder in ein Sternerestaurant, zu verdienen, während die andere Gruppe schuften und büffeln darf. Zu den Challenges gehörte bislang z.B. das fachgerechte Zerlegen von Huhn oder einem ganzen Kabeljau – durchaus interessant. Und am Ende jeder Folge muss ein Teilnehmer gehen…

Des Abends eröffnet das „Restaurant“ (wohl eher ein reiner Studiobetrieb mit entsprechenden vorbereiteten Gästen) „Hells Kitchen“ seine Pforten, unterstützt von Ramsays hauseigenem Star-Maitre d‘, Jean-Philippe oder kurz J-P.

Zu sehen gibt es vor allem viel Gruppendynamik, Anfeindungen, eine kräftige Dosis Big-Brother-Container bei den Kameraschwenks auf die Gruppenunterkünfte oder das Flirten im Whirlpool, einen ungehemmt fluchenden (*beeep*) Gordon Ramsay, und Küchenkatastrophen bei denen man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte – wer auch immer diese Leute, von denen die meisten irgendwann mal Koch gelernt haben und einige noch im Gastrobusiness arbeiten, gecastet hat, hat sich Mühe gegeben echte Könner von der Show fernzuhalten. Da tritt jemand an einem Abend 30 Jakobsmuscheln in die Tonne oder ist unfähig, 3 x 5 Gerichte der Tageskarte aufzusagen, da gehen Steaks in Flammen auf und Kunden warten 90 Minuten auf eine Vorspeise, und irgendwann platzt El Gordo der Kragen und er schliesst den Laden kurzerhand.

Nein, eine Kochshow ist das nicht, eher schon Cookatainment, und gezielt auf den amerikanischen Geschmack abgestimmt – Reallife-Shows dieser Art boomen in USA, hier findet American Idol (DSDS) auf Küchenebene statt. Den Unterschied macht die Tatsache, dass mit Ramsay wirklich jemand antritt, der etwas vom Fach versteht – und entgegen seines Auftretens in den Kochshows ist Ramsay ein kluger, kühler Kopf und keineswegs so ein ungehemmtes Ar**loch wie er in den Shows dargestellt wird.

Was die Jungköche (ist man mit Ende 30 wirklich noch Jungkoch?) beweisen müssen, ist, dass sie ein Restaurant führen können – von Küche bis Service, von Wareneinsatz bis Teamführung. Bei aller medienwirksamen Überzogenheit der Show kann man hier viel lernen – darüber wie man es nicht macht, darüber was man beherrschen sollte will man erfolgreich einen gastronomischen Betrieb führen.

Ohne Ramsay wäre die Show allerdings nur die Hälfte wert. Mehr Spaß als Johann stammelt sich durch die Küchenschlacht macht er allemal. Stay tuned.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

2 Antworten

  1. Balu sagt:

    Irgendwo hatte doch neulich schon einer in der Kochblogosphäre über Gordon geschrieben.

    Ich finde das im Moment nicht wieder, aber da wurde darüber geschimpft, dass Gordon die Leute nicht nur zur Sau macht, sondern regelrecht erniedrigt.

    Ich denke auch, dass das alles Show ist, aber andererseits produziert er so den Stress, den die Leute im wirklichen Leben auch aushalten können müssen, wenn Sie solche Restaurants führen wollen…

    Ich kann mir nur anschließen: Interessant.

  2. Im Fernsehen sind seit einiger Zeit Kochsendungen enorm in Mode. Aber Kochen alleine reicht schon längst nicht mehr aus. Den Leuten muss etwas geboten werden – Spiel, Spaß, Spannung! Das wollen uns zumindest die Sender glauben machen. Aber brauchen wir

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