Café Pars, Hamburg

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Auf dem Weg zur Zentralbibliothek und einem meiner bevorzugten Asiasupermärkte, Vinh Loi, kam ich heute an einem neuen kleinen Café vorbei.

Das Café Pars liegt am Johanniswall 3 in zweiter Reihe, direkt hinter Vinh Loi im Block des Bezirksamt-Mitte-Gebäudes, und der Name ist kein Schreibfehler – es handelt sich nämlich um ein persisches (Parsi?) Café, das auf der Tafel draussen auch mit persischen Spezialitäten wirbt.

cafepars

Als ich das letzte Mal dort vorbei kam, war das ganze noch under heavy construction, oder wieder – an dieser Stelle scheinen schon so einige Läden das Licht der Welt erblickt und alsbald wieder verlassen zu haben. Nun allerdings ist das Café fertig, und das Innere ist durchaus ansprechend, trotz der umgebenden architektonischen Grausamkeiten.

Tiefrote Wände, von denen entfernt kubistisch angehauchte Gemälde farbenfroh hinableuchten, sorgen für ein warmes Ambiente, diverse Lampen mit buntem Glas und ein schwarzer Kronleuchter erhellen das rundum von Tageslicht umflutete Café, ein großer Tisch und mehrere kleine verbreiten Kaffeehausatmosphäre, für den schnellen Kaffee gibt es Stehtische mit Stahl-Leder-Barhockern, und die hintere Wand wird von der Bedientheke eingenommen, an der auch die Espressomaschine prangt, die umlaufenden Heizkörper zum darauf sitzen sind im orientalischen Stil mit Teppichen ausgelegt, aber leider ist diese Sitzgelegenheit nicht wirklich als solche geplant – Abstellflächen für Getränke gibt es keine, und die „normalen“ Tische stehen auch im Weg.

Auf den Tischen sprießen noch recht neu aussehende Arabica-Pflänzchen aus dem Coffeeshop-Systembaukasten, auf dem großen Esstisch an dem mit Lederhussen bezogene helle Stühle stehen, steht für eine Reservierung ein Tablett mit IKEA-Wassergläsern bereit.

Gelockt hatten mich die draussen auf einer Tafel offerierten persischen Spezialitäten, doch nicht einmal ein orientalisches Gebäckstück lacht mich auf dem Tresen an, dabei gibt es keine 500 Meter von hier eine grossartige orientalisch-arabische Bäckerei die sich auf derlei Köstlichkeiten spezialisiert hat. Auf dem Tisch steht um 10 Uhr morgens nur eine höchst übersichtliche Kaffeekarte mit den üblichen Standards, weitere Getränke glänzen dagegen auf der Karte durch Abwesenheit, ebenso Informationen zu Snacks oder gar Speisen. Dabei stehen an einer Wand neben der zweiten Ein-Ausgangstür deutlich sichtbar zwei Getränkekühlschränke von Coca-Cola und ein weisser Retro-Kühlschrank, auch Bionade kann man hinter den Glastüren erkennen.

Das Preisniveau ist – ganz besonders in Anbetracht der Lage – gehoben, um nicht zu sagen unverschämt. Für meinen kleinen Cappuccino bezahle ich 2,20 Euro, der Milchschaum ist brauchbar aber nicht toll, der Kaffee schmeckt überröstet und hat einen buttrigen Ton von Kondensmilch (es ist keine drin, aber besser kann ich es nicht beschreiben). Zucker, Kaffee und Kartenlayout kommen alle von „Piacento“. Immerhin ist der Zucker in den kleinen Zuckertütchen / -stäbchen von Piacento reiner brauner Rohrzucker und schmeckt auch so, die groben Kristalle lösen sich aber im Kaffee nur schwer auf und knirschen zwischen den Zähnen.

Zum Kaffee dazu gibt es eine Dattel – als ich mich an der Theke umschaute, argwöhnte ich noch es könne sich um gefüllte Datteln als orientalische Leckerei handeln, aber weit gefehlt – es ist einfach nur eine entkernte Dattel, die nicht besonders lecker aussieht – ob der Pelz im Inneren der Rest des Kerns ist oder doch eher eine spriessende sekundäre Lebensform, will ich so genau gar nicht wissen.

Ausser mir befinden sich an diesem Morgen noch ein paar Leute im Café, die an dem grossen Tisch wohl eine Morgenkonferenz gehalten haben und bald gehen, und ein eleganter älterer Herr im offenbar maßgeschneiderten grauen dreiteiligen Anzug, Typ Controller, der konzentriert an seinen mitgebrachten Akten arbeitet. Die Bedienkraft scheint die deutsche Ehefrau des ebenfalls anwesenden Inhabers vermutlich iranischer Herkunft zu sein, welcher im makellosen schwarzen Anzug mit auf Hochglanz polierten teuren Schuhen antritt, während sie schwarze Weste auf weisser Bluse trägt und eher bieder wirkt. Ausserdem rennt noch ein junger Mann herum, der ebenfalls optisch aus dem Mittleren Osten zu kommen scheint, und durch die Tür in den Raum hinter der Theke finden kurze Gespräche statt.

Im engen und vermutlich schlecht belüfteten kugelrunden Goldfischglas auf der Anrichte, unter welcher Gesellschaftsspiele und Comicbücher auf den Gast warten, verstirbt unterdes der wohl schon zweite Fisch und löst eine halbe Krise aus; die Bedienung und der Inhaber unterhalten sich über den kommenden verkaufsoffenen Sonntag und hoffen auf Publikumsverkehr. Ich habe da in dieser Lage so meine Zweifel…

Als ich schliesslich aufstehe und meinen Kaffee an der Theke begleiche, stelle ich fest dass eine in Klarsichthüllen geschlagene Karte mit „persischen Spezialitäten“ (verschiedene Kebabs fallen direkt ins Auge) auf dem Tresen disponiert ist, die Espressomaschine – ein sehr stylishes Teil in derselben Farbe wie die Wand – kommt vom gleichen Konzern wie Kaffeebohnen und Zucker, es prangt das Piacento-Logo darauf. Ich kann nur vermuten dass in dem angehängten Raum hinter der Theke die „Küche“ ist. Eine kleine Tür zur Rechten, die keine Aufschrift trägt, stellt möglicherweise die Toilette dar. Auf einer Platte auf dem Tresen stehen noch vier halbe belegte Brötchen, die ich in einer Kantine schon rein der Optik halber als eklig ablehnen würde, wenn das „alles frisch“ – so der Text auf der Tafel draussen – bedeutet, möchte ich hier niemals etwas essen.

Fazit: ein schönes aber verschenktes Ambiente an einer Stelle der Stadt, der ein nettes Café guttun würde. Zahlungskräftiges Publikum ist aus der Umgebung durchaus vorhanden. Der Kaffee allerdings, der als einziges im Morgengeschäft aktiv beworben wird, ist mässig – und bei Balzac billiger und besser zu haben, von Läden wie der Caravela in der Langen Reihe ganz zu schweigen. Da gehe ich lieber die Steinstrasse hinab zu Balzac oder quer rüber nach St. Georg zum Portugiesen, ehe ich hier nochmal lande.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

2 Antworten

  1. Mela sagt:

    Klingt ein wenig danach als würde sich der Laden ins baldige Ladensterben an dieser Stelle einreihen.

  2. Jutta sagt:

    Irgendwie können Iraner besser Tee. Wir waren im letzten Jahr in Iran und haben dort eine Gastfreundschaft erlebt, die im Café Pars anscheinend abhanden gekommen ist. „Pars“ ist übrigens der Name einer Provinz (heute Fars). Der früher in Europa gebräuchliche Name „Persien“ wurde von Pars abgeleitet. Der offizielle Staatsname lautet aber „Iran“.
    Die im Deutschen gebräuchliche Bezeichnung „Persisch“ für die iranische Sprache steht für die Amtssprache „Farsi“.

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