Wild total in der Uralt Schmiede

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21. März 2017 aktualisiert

Vor einigen Tagen waren wir mit meiner Mutter in der Asbach Uralt Schmiede essen. Das Restaurant hat nichts mit dem gleichnamigen Weinbrand zu tun, sondern trägt seinen Namen daher, dass es in einer alten Schmiede im thüringischen Örtchen Asbach (Ortsteil Sickenberg) liegt, etwa da wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Und auch das „uralt“ ist relativ – im Jahr 2005 wurde das Gebäude durch einen Blitzschlag und nachfolgenden Brand stark beschädigt. Heute aber erstrahlt das Fachwerkhaus in neuem Glanz.

Die Lage ist nicht unbedingt die Beste – wer nicht gezielt hierherkommt, wird nur selten zufällig den Weg finden, denn das Dörfchen liegt in einem abgelegenen waldigen Winkel zwischen Hessen und Thüringen. Mir ist es vor allem dadurch in „guter“ Erinnerung, dass es bis zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung eine Art verfallenes Geisterdorf mit wenigen verbliebenen Einwohnern und einem Original DDR-Grenzzaun nebst Grenzposten der Volksarmee und Todesstreifen war; ging man auf West-Seite am Waldrand spazieren, kam es auch schon mal vor, dass der Volksarmist plötzlich mit angeschlagener Kalaschnikow vor einem stand, unfreundlich und nachdrücklich auf Übergabe der Kamera beharrte, mit einem satten Ruck den Kleinbildfilm herausriss, die Kamera zurückreichte und ebenso unvermittelt wieder verschwand wie er aufgetaucht war.

An diese Zeit erinnern heute nur noch hier und da zu Gartenzäunen recycelte Reststücke des Grenzzauns, ansonsten hat sich Sickenberg zu einem hübschen Örtchen gemausert, das am Wochenende ein ideales Ausflugsziel bildet, und so kommt es wohl auch, dass die Schmiede nur Freitags bis Sonntags geöffnet hat.

Auf der Karte steht fast ausschließlich Wild, jeweils mit hausgemachten Thüringer Klößen, Rotkohl und „auf Burgundersaucenspiegel“ (welcher sich als annehmbare Wildsauce mit Pilz- und Weinanteil entpuppte) sowie Dosenbirne mit Preiselbeermarmelade. Ausserdem im Angebot: Rinderbraten, Heidschnucke mit Salzkartoffeln, grünen Bohnen und Sahnesauce, Forelle (Müllerin Art) – und ab 15 Uhr auch eine „kleine“ Karte mit Dingen wie Bratwurst, Salaten etc.

Die meisten Leute kommen allerdings zum Wild essen her, so auch wir.

Meine Mutter hatte Wildschweinbraten (hier zu sehen), Torsten Hirschbraten und ich Rehbraten, die sich nur in der Fleischzugabe unterschieden. Pro Portion sind etwa 13,50 Euro fällig, dafür wird man rundherum gut und lecker satt. Das Fleisch kommt offenbar aus großen Schmortöpfen, wo es butterzart und aromatisch wird, sieht dafür aber in der Stückelung nicht immer optimal appetitlich aus. Das tut dem Genuß keinen Abbruch, das Essen schmeckt nach guter deutscher Hausmannskost wie bei Mutti.

Vorweg gab es hausgemachtes Schwarzbrot und hausgemachtes Schmalz, das auch stehen blieb während des Essens.

Die Übersichtlichkeit der Speisekarte allerdings würde mich stören, gerade wenn man auf wiederkehrende Gäste aus der Region hofft, könnte ein bißchen mehr Flexibilität bei den angebotenen Speisen nicht schaden. (Im November ist nun Gänsebratensaison – auch dazu wird es vermutlich Rotkohl und Klöße geben…)

Das Ambiente ist sehr hübsch, wenn man es rustikal mag:

Für manchen ist vielleicht auch interessant, dass es im Erdgeschoss ebenerdig erreichbare Toiletten gibt.

Auch im ersten Geschoß kann man sitzen:

Der Service hatte nicht unbedingt den Überblick, selbst bei nicht vollem Restaurant war am Sonntag mittag der Ablauf ein wenig zäh, das machte die Bedienung aber durch Freundlichkeit wett. Eine Woche zuvor hatte meine Mutter mit einer Freundin hier gegessen und dieser hatte man einen speziellen Rotwein offeriert, der nicht auf der Karte steht. Neugierig erkundigten wir uns danach und erhielten einen schwärmerischen Vortrag des Restaurantinhabers über diesen „großartigen besten Rotwein Deutschlands“. dessen Lobpreisungen mir sofort wieder entfallen sind. Natürlich orderten wir den Wein.

Tatsächlich ist das Weingut, von dem er kommt, der Winzerkeller Hex vom Dasenstein, in letzter Zeit reich mit Auszeichnungen gesegnet worden, der fragliche Wein war jedoch kein Spitzengewächs (was wir auch nicht erwartet hatten – aber die Beschreibungen des Wirtes ließen Bilder von großen Chateaux vor dem inneren Auge aufsteigen), sondern ein simpler 2006er Spätburgunder aus der Literflasche. Der kam im (fair kalkulierten) Viertelliterglas, und schmeckte zunächst wie ein nicht gesüßter Glühwein – intensive Gewürznoten, gepaart mit einem Himbeerton. Nichts, was ich normalerweise ordern oder mir in den Keller legen würde. In Kombination mit dem Wildfleisch und Rotkohl allerdings war der Wein eine ausgezeichnete Wahl.

Pluspunkte gab es auch für den echten Espresso und Cappuccino aus einer richtigen Espressomaschine, der gut schmeckte und in hübschen Sammeltässchen serviert wurde.

Fazit: ein prima Ausflugslokal, besonders für Wildfans – für etwas schwierige mäkelige Esser eventuell mit etwas zu übersichtlicher Karte. Sofern nicht gerade Hochbetrieb herrscht, zaubert man in der Schmiede auch gern etwa das nicht auf der Karte steht aus den Beständen der Küche, bei speziellen Wünschen sollte man aber besser vorher nachfragen was machbar ist.

Restaurant Asbach Uralt Schmiede
Wild-Spezialitäten-Restaurant und Cafè
Inh.: Andreas Klampfl
37318 Asbach-Sickenberg, Dorfstraße 21
Tel: 036087 – 90074 – Fax: 036087 – 90076

Anfahrtsplan und mehr Informationen auf der Website des Restaurants
http://www.asbach-uralt-schmiede.de/

Print Friendly, PDF & Email

Appetit bekommen? - Hungry for more?

Kommentar verfassen