Mandeln, roh und gesund

Dieser Artikel wurde zuletzt am 4. Februar 2017 aktualisiert

Wer sich etwas gutes tun will und ein paar wirklich gesunde Fette zu sich nehmen, hat in Mandeln einen ausgezeichneten Energie- und Nährstoffspender gefunden. Sie liefern essentielle Fettsäuren, Vitamin E, viele Mineralien und sind echte Kraftpakete.

Allerdings sind konventionell erzeugte Mandeln – wie so viele Produkte – auch echte Schadstoffpakete, Mandeln werden in großen Monokultur-Plantagen (besonders in Spanien und Kalifornien) angebaut und kräftig gegen Schädlinge gespritzt, und trotz der harten Schale bleibt davon einiges in der Frucht zurück.

Almonds

Ein weiteres Problem ist, dass Mandeln oft nur erhitzt (geröstet, pasteurisiert) in den Handel kommen, was die Keimbelastung senkt, aber gleichzeitig die Fette und Eiweiße verändert und ihrer gesundheitlichen Wirkungen beraubt – nicht nur Rohköstler schwören auf rohe, unverarbeitete Mandeln.

Das Almond Board of California, die grösste Lobbyvereinigung der Mandelproduzenten in USA, muss allerdings den gesetzlichen Vorgaben der USA (die was Keime angeht stark paranoid sind, in diesem Fall geht es um Salmonellen) genügen, und darf in Zukunft nur noch „pasteurisierte“ Mandeln in den Verkehr bringen. Dagegen sprechen sich viele Verbrauchergruppen aus gutem Grund aus.

D. Joseph Mercola, ein alternativ angehauchter Mediziner in den USA, der sich seit Jahren mit Ernährung, Nahrungsbestrahlung, Pestiziden und ähnlichem befasst, zitiert in seinem Blog kürzlich aus einem Schriftverkehr:

Earlier this month, I received a letter from Richard Waycott, the president and CEO of the Almond Board of California (ABC), to tell me that his organization will not use any heating or radiation to „pasteurize“ their almonds. He explained that they will instead be using propylene oxide to „pasteurize“ the almonds. Mr. Waycott provides the following reassurance: „Pasteurized raw almonds do not differ in any significant way — taste, quality or nutritional value — from untreated almonds. Pasteurization simply reduces the presence of harmful bacteria on those almonds to safe levels while maintaining taste, quality and nutritional value.“

I then called his office to see if there was anything he wanted to add to his letter, and he said that the EPA had tested propylene oxide and found it to be safe.

Es ist interessant, dass man eine Methode gefunden hat, die das Erhitzen der Mandeln verhindern und damit ihren Nährwert schützen soll. Ob das sachgerecht als Pasteurisation bezeichnet werden kann, steht auf einem anderen Blatt.

Ob man sich aber damit gesundheitlich einen Gefallen tut? Es ist keineswegs so, dass die EPA der Meinung ist Propylenoxid sei harmlos, im Gegenteil:

Propylenoxid hat sich in Tierversuchen als karzinogen, also krebserregend, erwiesen und ist als Meeresschadstoff in die Wassergefährdungsklasse 3 eingeordnet. Der toxische Stoff reizt Haut, Augen und Atemwege, seine Dämpfe wirken narkotisch, zu einer toxischen Kontamination der Luft kann es bereits bei Temperaturen um 20 °C kommen. Seine Aufnahme kann oral, pulmonal oder perkutan, also über die Haut, erfolgen. Bei kontinuierlicher oder wiederholter Exposition kann es zur Sensibilisierung kommen. — Wikipedia: Propylenoxid

Ist ja auch logisch… wenn es Bakterien nicht gut tut, warum sollte es homo sapiens gut tun. Man sollte sich bei der Gelegenheit erinnern, dass im menschlichen Körper nur 1/10 aller Zellen menschliche DNS besitzen, der Rest sind Bakterien anderen Ursprungs (etwa die Darmflora).

Wie dem auch sei, die „Produktverbesserungen“ sind für mich ein zusätzlicher Grund, nur noch Bio-Ware zu kaufen…

(Bild: Healthaliciousness bei Flickr, Lizenz CC-BY-2.0)

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4 Antworten

  1. Mao-B sagt:

    pfuideifi! 🙁 wird der dreck dann eigentlich auch exportiert? und ist auf der verpackung ausgewiesen?

    • FoodFreak sagt:

      Klar – da wird dann sowas wie ‘naturbelassene kalifornische Mandeln’ draufstehen… Ich kann mir kaum vorstellen dass das deklariert wird, ist ja nur ein Produktionshilfsmittel keine Zutat. Und ja, das wird mit Sicherheit exportiert, Kalifornien ist schließlich einer der größten Mandelproduzenten weltweit.

  2. Claudia sagt:

    Sehr interessant. Das wird am Otto-Normal-Verbraucher wohl mal wieder vorbeigehen. Und selbst wenn ganze Mandeln gekennzeichnet würden – wie sähe es denn mit Mandeln in Schokolade oder Krokant aus?

    Weißt Du, ob das Gas oder dessen Einzelbestandteile an den Mandeln durch Erhitzen „unschädlich“ gemacht werden können?

    • FoodFreak sagt:

      Hm, Propylenoxid ist ein Epoxid und ziemlich flüchtig und leicht entflammbar und kann auch mal spontan polymerisieren. Ob es durch Erhitzen restlos abgebaut wird – keine Ahnung (aber dann könnte man ja auch gleich einfach die klassische Pasteurisierung nehmen. Im Grunde frage ich mich warum hier nicht wenn es schon sein muss mit Wasserstoffperoxid oder Ozon keimfrei gemacht wird).

      Propylenoxid ist gut wasserlöslich und auch in organischen Lösungsmitteln löslich – siehe auch die Anwendungen hier:

      http://www.wasser-wissen.de/abwasserlexikon/p/propylenoxid.htm

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