Ente bis zum Abwinken

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Vor ein paar Tagen waren wir auf Besuch bei meiner Mutter in Hessen, im schönen Bad Sooden-Allendorf, und beschlossen, dort essen zu gehen. Unser Ziel war das China Restaurant Peking im Stadtteil Sooden. Am selben Ort haben auch schon ein gutbürgerliches Restaurant und ein Grieche oder Balkan-Restaurant (vielleicht auch beides, so genau hab ich das nicht mehr in Erinnerung) ihre Pforten geöffnet und wieder geschlossen. Dabei ist die Lage durchaus gut, in der kleinen überschaubaren Altstadt am Rande der Fußgängerzone gelegen, nur einige Meter vom Kurparkhotel und einer großen Parkgarage entfernt.

BSA-Peking

Die Gaststube hatte sich seit meinem letzten Besuch vor Jahren nicht verändert, zur gutbürgerlich deutschen Rustikal-Romantik kamen lediglich noch ein paar rote chinesische Ballonlampen hinzu, und Bedienung (Sohn) und Chefin (Mutter) sprachen untereinander Kantonesisch, was schon einmal für einen guten Eindruck sorgte. Lustig war dagegen, dass der Sohn erst mal bei Mama fragen musste, weil er Gästen am Nachbartisch nicht erklären konnte, was ‚Szechuan-Art‘ ist…

Die Karte lieferte einige, wenn auch nicht alle Klassiker des europäisierten China-Restaurants auf Basis der südchinesischen Küche (ein zweimal gebratenes Schweinefleisch, auf das ich so richtig Lust gehabt hätte, gab es zum Beispiel nicht) und der Schwerpunkt lag deutlich auf Huhn- und Entengerichten – was auch mit den Vorlieben der Gäste zu tun haben könnte.

Folgerichtig bestellten wir alle drei Ente. Dazu kam für mich eine Wan-Tan-Suppe (mit einer sehr guten Brühe und augenscheinlich hausgemachten Wan Tan), bei der mir die Brühe aber besser mundete als die großen Wan Tan, die vor allem durch sehr viel Hackfleisch innendrin auffielen. Torsten kostete die Wan Tan fritiert, dasselbe, nur ausgebacken, und mit Standard-Süß-Sauer-Sauce aus der Großpackung / Eimer / Gastrokanister serviert.

Zu trinken gabs für meine Mutter ein Alsterwasser, für mich Grüntee, für Torsten Bitter Lemon.

Die Enten:


Von links nach rechts: Ente mit Thai-Curry, Ente Peking Art, Ente „Shanghai“ mit scharfer Currysauce.

In allen drei Fällen war es dieselbe Art Entenbrust, nur mit unterschiedlicher Sauce (aus dem Asienladen kenne ich die Gastropacks mit vorgebratener Entenbrust, die nur noch im Wok knusprig aufgebraten werden). Dazu gab es natürlich Reis, und unter den Entenbrüsten schlummerte reichlich Gemüse.

Die Ente Peking kam auf einem Bett aus Mungbohnensprossen und mit einer süßlichen Sauce, die intensiv nach Sternanis und Hoisin schmeckte. Die Shanghai-Entenbrust ruhte auf einem bunten Mischgemüse plus Bambussprossen, mit einer deutlich nach Currypulver schmeckenden und aussehenden gelben Sauce, die allerdings nicht sonderlich scharf war. Die Thai-Curry-Ente kam mit sehr viel wirklich guter Sauce, genauer auf einem scharfen Thai-Gemüsecurry, das sehr authentisch schmeckte und auch einem schärfegewohnten Liebhaber der Thaiküche wie mir gut gefiel.

Die Portionen waren ländlich, also riesig. Mit Müh‘ und Not aßen wir unsere Entenbrüste auf, und ich bat die Bedienung, mir doch das restliche Curry mit dem restlichen Reis einzupacken. Zu Hause stellten wir fest, dass sie einige Löffel Reis und einige Löffel Curry, aber sicher nicht die gesamte Restmenge in eine Takeout-Schale verpackt hatte. Schade eigentlich.

Zum Menu-Ausklang gab es dann noch einen Pflaumenwein aufs Haus, und mit knapp 40 Euro für drei Personen (8-9 Euro für ein Entengericht) waren wir wirklich billig und gar nicht mal schlecht essen.

Fazit: Der deutsche Normalesser wird hier gut bedient – große Tellergerichte zu einem günstigen Preis, die keine Vorspeise benötigen, altbekannte Standards plus eine Handvoll Thai-Gerichte die anscheinend in authentischer Schärfe aus dem Wok kommen.

China-Restaurant Peking

Auf dem Herrengraben 2
37242 Bad Sooden-Allendorf
Telefon: 05652 / 58 78 8

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

3 Antworten

  1. Claudia sagt:

    In Hamburg hätte man für Vergleichbares sicher gleich 60,- Euro zahlen müssen. Schade finde ich, dass bei süß-saurer Sauce in gut 90% aller China-Restaurants auf diese Fertigsauce zurückgegriffen wird. Schade.

  2. Cangrande sagt:

    Das Essen ist gut im „Peking“; die Reisportionen könnten freilich etwas reichhaltiger sein.

  3. FoodFreak sagt:

    in Asiarestaurants sollte es allgemein kein Problem sein, Reis nachzubekommen, der kommt ohnehin aus dem großen Reiskocher…

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