Fremde Küchen

Dieser Artikel wurde zuletzt am 4. Februar 2017 aktualisiert

Nein, nicht um die Töpfe und Küchentraditionen anderer Länder geht es hier (obwohl ich mir wie auf einem anderen Planeten vorkam), sondern um das Aufeinandertreffen unvereinbarer Gegensätze – in diesem Fall, mir und der Küche meiner Schwiegermutter.

Nachdem ich mir vor einiger Zeit ja schon beim Löffeln einer Linsensuppe bei ihr eine Dosensuppe gewünscht hätte, waren wir nun zur Goldenen Hochzeit angereist, und an den Tagen davor haben wir das eine oder andere an Essen zubereitet. (Das war der Zeitpunkt zu dem ich beschloß, mir demnächst einen Gewürz- bzw. Küchen-Notfallkoffer für Außeneinsätze zu designen.)

Mitgebrachter Chicoree und Romanasalat sollte ein Dressing bekommen… und hätte ich nicht auch noch eine wunderbare Bio-Orange gehabt, die im Verein mit einer Lauchzwiebel (ebenfalls aus meinem Kühlschrank) den Salat letztlich rettete, wäre ich angesichts des Gewürzregals wohl verzweifelt…

spice rack at my mother-in-laws kitchen

Die Gewürze haben sich vermutlich seit Jahrzehnten nicht verändert (einschließlich zweimal Schaschlikgewürz und einmal Hähnchengewürzsalz), stehen immer zwingend an derselben Stelle – wir haben den Fehler begangen eine Dose an der falschen Stelle einzuräumen, und da Schwiegermama stets blind in ihr Gewürzregal greift, war das ein unverzeihlicher Faux Pas, es könnte ja was falsch gewürzt werden – und zumindest der weiße Pfeffer steht auch mindestens zwei Jahrzehnte im Schrank, dem intensiven Geschmack nach muffigem Mehl nach zu urteilen, den er (als einziges Aroma) besaß.

Schwarzen Pfeffer oder Pfeffer in der Mühle gab’s nicht. Und die Essig- und Öl-Auswahl war mindestens ebenso berückend:

oil and vinegar at my MILs kitchen

Rapsöl ist echt Geschmackssache – ich mag’s nicht und hätte ein neutrales Öl um Längen vorgezogen (oder Olivenöl), aber das steht da vermutlich ohnehin nur wegen der „Cholesterinfreiheit“ im Schrank, und der Tafelessig von Spreewald-Feldmann enthält

Branntweinessig, Farbstoff Ammonsulfit-Zuckerkulör, natürliche Aromen

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Fazit: kochst Du fremd, sei gut vorbereitet – auf das Schlimmste… 🙂

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

5 Antworten

  1. Ulrike sagt:

    Wo es doch auch so schönes geschmacksneutrales hoch raffiniertes Rapsöl gibt :-). Wobei ich den Eigengeschmack von Rapsöl eigentlich mag.

  2. Gabi sagt:

    Lach – erinnert mich an das Gewürzregal meiner Mutter. „Hast du Oregano für die Tomatensoße da?“ „Ore-was? Ich mach die immer nur mit Ketchup…“ Und was – um Himmels willen – fängt man eigentlich mit getrockneter Petersilie an, die da auch überall steht? Außer einen farblichen Effekt kann man damit doch nix erreichen 🙂

  3. Mela sagt:

    Ja, wie zum Beispiel Ferienheimküchen ohne Reibe oder auch nur dem normalen Grundstock an Gewürzen wie Salz und Pfeffer.

  4. Mao-B sagt:

    jo, rapsöl ist echt so eine sache, vorallem wenn man an einer straße wohnt wo busse und lkw mit biodiesel fahren. macht dann keinen grossen spass wenns beim braten nach ÖPNV riecht…

  5. Dennis sagt:

    Ich glaube mal, Rapsöl ist an sich keine gute Sache. Früher galt es als giftig und Rapsöl hat de facto nichts, was für den Menschen Vorteilhaft wäre. Auch wenn das Omega-3/Omega-6-Verhältnis eigentlich ganz okay ist. Trotzdem zu viele negative Punkte. Das habe ich gefunden. Da wird einem schon ein bisschen anders:

    quote: „Um das Öl zu stabilisieren und hitzeunempfindlicher zu machen, wird es im industriellen Prozess oft gehärtet oder teilgehärtet, dabei können die gesundheitsgefährdenden trans-Fettsäuren entstehen. Zuvor dient das giftige Hexan als Lösungsmittel, um das Öl zu separieren. Es folgen weitere Reinigungsschritte, eine Bleichung und eine Desodorierung. Insgesamt erfährt das Öl eine sehr starke Behandlung und Verarbeitung, bis es den Verbraucher erreicht.“

    (Quelle: http://www.urgeschmack.de/ist-rapsol-gesund/)

    Also zusammen mit den negativen Punkten, die ich schon kannte und dieser netten Schilderung muss ich sagen: Das hört sich wirklich extrem uncool an. 🙁

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