Exotisch und Unexotisch

30. Januar 2006

Beim Kochen am Samstag wurde mir mal wieder klar, wie beliebig doch Kategorien wie “exotisch” sind (in Rezepten in Kochbüchern und Zeitschriften bedeutet ‘exotisch’ im allgemeinen, dass Ananas oder Tropenfrüchte unter den Zutaten auftauchen…)

Für mich ist etwa das Gericht vom Samstag, ein Mettendchengulasch mit einem Selleriegratin dazu, vollkommen exotisch – sowas koche ich wirklich allerseltenst, während das Gericht von gestern, eine Geschmorte Ente mit Grünen Bohnen, Thai-Style, bei mir eher unter ‘normales’ Essen und Asiaküche unter Standard fällt.

Immerhin beweist es, dass die Gemüsekiste mich dazu bringt, Dinge zu kochen, die ich ohne diesen Ansporn nie in Erwägung gezogen hätte – ginge ich allein einkaufen, wäre ich sicher nicht auf die Idee gekommen, ausgerechnet eine Sellerieknolle zu kaufen um etwas Neues auszuprobieren, schon gar nicht mit Sellerie in einer tragenden Rolle. Und das Beste: Das Essen war großartig und ganz einfach!

Dagegen war das Essen von gestern tendenziell eher enttäuschend. Das Rezept, das Karla Baumann mal in de.rec.mampf gepostet hat und das aus einem Beitrag von Mark Bittmann in der NY Times stammte, war nicht übel – tatsächlich waren die mit Ingwer, Fischsauce, Knoblauch und Chili geschmorten Schlangenbohnen ganz lecker und deswegen ist das Rezept auch in meiner Datenbank für zu Überarbeitendes gelandet (und wird hier vorerst nicht gepostet), aber die Ente war einfach – fad.

Daszu kam, dass ich hier sehr schön den Unterschied zwischen der 18-Euro-Ente (Keulen, übrig vom Japanischen Fondue) und einer 9-Euro-Tiefkühl-Ente spüren und schmecken konnte. Die Keulen der Ente vom Markt waren deutlich schmackhafter und sehr viel zarter als die des Tiefkühlgetiers (Cherry Valley Duckling) und das Tiefkühltier verwandelte sich trotz langen Schmorens nur in eine Gummiente... bäh!

Lesson learned, es lohnt sich einfach nicht billige Qualitäten zu kaufen.

Dafür lohnt es sich in der Tat, Mettenden mit Zwiebeln und Rotwein zu einem ‘Gulasch’ zusammenzufügen und Sellerie mit Pecorino und Sahne in ein Gratin zu verwandeln. Das ist preisgünstig (ok, bis auf den Pecorino, aber man braucht nicht viel) und lecker – zur Nachahmung empfohlen.

Mettendchengulasch mit Selleriegratin

GRATIN
½ Sellerieknolle
100 g würziger Hartkäse, Pecorino oder Greyerzer
50 g Sahne
1 TL Öl, für die Form
Salz
Pfeffer

GULASCH
4 Mettendchen, geräucherte Mettwürstchen
2 grosse Zwiebeln
½ Bund glatte Petersilie
100 ml Rotwein
200 g Sahne
1 EL Butter
1 TL Speisestärke
1 Prise Cayenne

Für das Gratin schneiden Sie den geschälten Sellerie in Scheiben, die Sie 5 Minuten in kochendem Wasser blanchieren. Dann schichten Sie die Scheiben dachziegelartig (etwa 1 1/2 cm hoch) in eine gefettete Auflaufform, träufeln die Sahne darüber und würzen mit Salz und Pfeffer. Zum Schluss reiben Sie den Käse darüber und überbacken das Gratin 20 Minuten bei 180 Grad im Backofen.

Für das Gulasch schneiden Sie die gepellten Zwiebeln in Würfel und die Mettendchen in kurze Abschnitte. Schmoren Sie die Zwiebelwürfel mit den Wurstabschnitten unter ständigem Wenden in etwas Butter, bis die Zwiebelwürfel glasig sind. Dann löschen Sie mit dem Rotwein ab und geben die Sahne zu, sobald der Rotwein verkocht ist. Nun lassen Sie noch mal kurz einkochen und binden die Sauce dann mit etwas in Wasser aufgelöster Speisestärke.

Die Sauce schmecken Sie vorsichtig mit Cayennepfeffer ab und streuen beim Servieren klein gehackte Petersilienblätter darüber.

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2 Responses to Exotisch und Unexotisch

  1. Claudia on 31. Januar 2006 at 10:52

    Lustig: Ich habe auch schon oft beobachtet, dass “exotisch” oder “asiatisch” häufig nur bedeutet, dass Ananas drin ist.
    So langsam machst Du mir Appetit auf die Gemüsekiste… Ist wohl aber nix für mich, da ich so unregelmäßig zu Hause bin und noch nicht mal sicher stellen kann, dass irgendjemand die Kiste annimmt.

  2. mipi on 9. Juli 2008 at 17:15

    Interessante Kreation. Manchmal hilft die “normative Kraft des Faktischen” (in diesem Fall die Gemüsekiste) der Kreativität auf die Sprünge ;-)

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